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18.März - Fight the Power!
Fight the Power! Freilassung für alle sozialen und
linken Gefangenen! Kapitalismus abschaffen!
-Seit Anfang
des Jahres vollzieht sich eine Verschärfung der Hartz-4-Regelungen.

-Am 14. Februar marschieren rund 6000 Nazis ungestört durch die Dresdener
Innenstadt. -Zum gegenwärtigen Zeitpunkt führt die Bundeswehr in neun
Ländern Auslandseinsätze durch. -Seit dem Januar 2008 ist die
„Vorratsdatenspeicherung“ staatliche Pflicht.
Die gesellschaftlichen
Zustände sind beschissen, da bedarf es eigentlich keiner weiteren Erklärungen.
Die Frage stellt sich eher, was wir dem entgegensetzen können. Einfach ist es
nicht, bedenkt mensch, was der Staat mit denen macht, die es mit ihrem
Widerstand ernst meinen. An diesem Punkt streift der Staat seine sonst so
gepriesene Neutralität ab. Eine demolierte Bankscheibe kann bei den Protesten
gegen ein Wirtschaftsgipfeltreffen Knast zur Folge haben, hingegen würde die
selbe Tat in betrunkenem Zustand, auf dem Heimweg von einer Party, höchstens
eine Geldstrafe oder Arbeitsstunden nach sich ziehen. International sitzen
tausende Gefangene aus den unterschiedlichen sozialen und linken Bewegungen in
den Knästen. Um deren teilweise lebensbedrohliche Situation der Öffentlichkeit
zu Gehör zu bringen, wird alljährlich in verschiedenen Ländern der 18. März als
„Tag der politischen Gefangenen“ begangen.
Infokasten:
Geschichte des 18.März
1923 erklärte die Rote Hilfe den Tag zum
"Internationalen Tag der Hilfe für die politischen Gefangenen“. Der 18. März ist
ein Datum mit vielen Bezügen zur Geschichte der Klassenkämpfe. Vor 161 Jahren,
am 18.3.1848, stand die gerade entstehende Arbeiterklasse auf den Barrikaden, im
Kampf gegen Junker und Fabrikbesitzer_innen. 23 Jahre später, am 18.3.1871, kam
es zum ersten Mal zu einer kurzen Machtübernahme durch die Arbeiter_innen in der
Pariser Commune. Bis in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts galt deshalb der
18.3. als „Tag der Commune“. Der Nationalsozialismus setzte dieser Tradition ein
jähes Ende. Wie so vieles andere wurde der Tag nach dem Ende der Nazi-Zeit nicht
mehr begangen. Seit Anfang der 90er ist der 18. März in der BRD wieder ein
regulärer Termin im linken Aktionskalender. Bundesweit wie auch international
finden darum am und um den 18. März eine Vielzahl Aktionen gegen staatliche
Unterdrückung und für die Freiheit der linken Gefangenen statt.
Politische Repression
Das Thema „politische Gefangene“
spielt seit einigen Jahren auch für Berlin wieder eine wichtige Rolle. So läuft
seit nunmehr zwei Jahren gegen mehrere Berliner Antimilitaristen ein Prozess, da
sie von den Behörden der Militanten Gruppe (MG) zugerechnet werden, welche sich
für eine sechsjährige Anschlagserie verantwortlich zeichnete. Für die vier
Verdächtigten Florian, Oliver, Axel und Andrej Holm wurde am 1. August 2007 der
Haftbefehl erlassen. Florian, Oliver und Axel sollen am 31. Juli 2007 in
Brandenburg/Havel versucht haben, drei Fahrzeuge der Bundeswehr anzuzünden.
Andrej wurde unter anderem inhaftiert, da er sich mit Verdächtigen „klandestin“
getroffen haben soll und weil er in seinen Veröffentlichungen als Stadtsoziologe
die Begriffe „Prekarisierung“ sowie „Gentrifizierung“ verwendete, die auch in
den Anschlagserklärungen der MG auftauchten. Vor Gericht hatte diese
Verdächtigung jedoch keinen Bestand und führte letzten Endes zur Einstellung des
Verfahrens gegen ihn. Die anderen Verfahren laufen noch und werden derzeit
verhandelt.
Ein weiter Fall, der in Berlin die Gerichte wie auch die
linke Szene beschäftigt, ist der des Berliner Antifaschisten Christian S.
Dreieinhalb Jahre muss er absitzen, da er am 1.Mai 2004 in Berlin während eines
Naziaufmarsches auf der Marschroute ein zur Barrikade umfunktioniertes
Versicherungsauto in Brand steckte. Um Christians Haftzeit zu verlängern,
überzogen ihn die Gerichte fortan mit immer neuen Repressalien. Christians Fall
wie auch der MG-Prozess sollen hier nur stellvertretend genannt sein für Bände
voll weiterer Schikanen, mit denen sich linkspolitisch aktive Menschen in
Berlin, Deutschland und auch international herumzuschlagen haben. Die
Verurteilungen und Prozesse gegen linke Aktivist_innen machen nicht nur
deutlich, dass Widerstand Repression nach sich zieht, sondern, dass linker
Widerstand auch erfolgreich sein kann. Durch den massiven Protest gegen den
Naziaufmarsch am damaligen 1. Mai konnte letzten Endes die Verhinderung des
rechten Aufzuges erreicht werden. Auch der MG war es gelungen, gesellschaftliche
Debatten aufzugreifen und durch militante Aktionen und ihre dazu
veröffentlichten Erklärungen in sie einzuwirken. So bekannte sie sich im Herbst
des Jahres 2004, auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Hartz IV, zu
Brandanschlägen gegen ein Sozialamt und ein Bezirksamt. Unsere Solidarität gilt
diesen Menschen, da wir es nun mal nicht leugnen können, dass uns eine
klammheimliche Freude beschleicht, wenn Kriegsgerät vernünftig flambiert wird,
die Geschäfte des Überwachungs- und Atomstaates durchkreuzt werden oder Nazis es
sich auf Grund eines erhöhten Barrikadenaufkommens mit ihren
„Samstagsspaziergängen“ noch einmal gründlich überlegen müssen. Dabei spielt es
keine Rolle, ob diese Menschen an den ihnen vorgeworfenen Aktionen wirklich
beteiligt gewesen waren oder nicht, sondern dass sie für etwas verurteilt
werden, was vollkommen legitim ist. Die Freilassung der linken politischen
Gefangenen und die Einstellung der laufenden Verfahren sind uns darum ein
Wichtiges.
Welche Freiheit?!?
Wenn wir die
„Freiheit“ der Gefangenen fordern, müssen wir uns allerdings auch die Frage
stellen, ob das, was wir „hier draußen“ als „Freiheit“ wahrnehmen, überhaupt
etwas Positives ist. Aus der Haustür zu gehen um Freunde zu treffen ist etwas,
das unser Leben von dem Leben zwischen Hofgang und Zelle unterscheidet. Trotzdem
bedeutet Freiheit im Kapitalismus immer die Freiheit des Marktes – also die
Möglichkeit unbegrenzter Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft und der
ökologischen Ressourcen durch den Kapitalismus. So haben wir die unveräußerliche
„Freiheit“, unsere Arbeitsverträge selbst schließen zu können und nicht wie in
Zeiten der Ständegesellschaft der Knecht eines Gutsherren sein zu müssen.
„Freiheit“ heißt also sich das Verhältnis der eigenen Ausbeutung selbst wählen
zu können.
Diese Gesellschaftsordnung ist eine globale Haftanstalt,
deren Insassen wir alle sind. Einem Gefängnistrakt, in dem wir zum Arbeiten in
der Knastwäscherei gezwungen werden und in dem wir dazu verdammt sind zu
hungern, sollten einmal die Arbeit verweigert werden. Wer die „Diktatur der
Freiheit“ nicht als solche akzeptiert oder an ihr zweifelt, die_den lässt der
Staat seine Freiheit schmecken. Hier greift das, was wir als „alltägliche
Repression“ bezeichnen. Beispielhaft sei hier die "Neuausrichtung der
arbeitsmarktpolitischen Instrumente" genannt. Das seit Januar 2009 geltende
Gesetz bedeutet für ALG-II-Empfänger_innen, dass sie wesentlich einfacher zu
umstrittenen Mini- oder 1-Euro-Jobs gezwungen werden können, ohne die
Möglichkeit zu haben, dagegen Widerspruch einzulegen. Freiheit bedeutet auch,
Art und Ort des eigenen Wohnraums frei wählen zu können - wenn mensch sich das
Elementarbedürfnis Wohnen leisten kann!Für Hartz-4-Empfänger_innen und Menschen
mit niedrigem Budget ist es mittlerweile kaum noch möglich, günstige Wohnungen
zu erstehen, die nicht außerhalb des Innenstadtbereichs liegen. Der Verkauf von
über 150.000 Wohnungen in den letzten 10 Jahren im Zuge der Privatisierung hat
zu einer enormen Mietsteigerung geführt. So ist der Mietspiegel seit 2005 um
mehr als 5 Prozent gestiegen. Die unbezahlbaren Sanierungen haben auch die
Vertreibung all jener zur Folge, die zahlungskräftiges Publikum abschrecken
könnten: Skater, Sprüher, Bettler und alle anderen, die nicht ins Bild passen.
Meist ohne es oft selbst zu wissen stellen sie durch ihr Handeln die
Eigentumsfrage. Die Frage „Wem gehört die Stadt?“ beantwortet der Staat mit
Vertreibung von Obdachlosen, die in der Sparkasse übernachten,
Hubschraubereinsätzen gegen Sprüher und alle anderen, die das Privateigentum der
Besitzenden nicht respektieren.
Knastbusiness und Ohnmacht
Schwarzfahren, klauen oder dealen sind Überlebensstrategie im
Kapitalismus. Sie sind die direkte Folge der, durch ihn erzeugten, immer
schlechter werdenden, Lebensbedingungen. Das endet nicht selten im Bau. Der
Großteil der zur Zeit Inhaftierten in Deutschland sitzt wegen
Beschaffungskriminalität, Mietschulden oder Betrug ein. Den Versuch des
Wegschließens sozialer, staatlich hausgemachter Probleme versucht der Staat den
Menschen „draußen“ als „Resozialisierung“ zu verkaufen. Dabei macht ein
Knastaufenthalt niemanden besser. Statistisch betrachtet landen im Schnitt zwei
von drei Ex-Häftlingen wieder im Gefängnis. „Resozialisierung“ kann hier getrost
als Eindämmung von Konfliktpotential buchstabiert werden. In Anbetracht der
immer stärker werdenden sozialen Widersprüche wird der Knast als Instrument
sozialer Kontrolle immer wichtiger. Nicht nur dass die Inhaftierten in der
Absicht, sie als „Störfaktoren“ unschädlich zu machen, im Gefängnis unter
anderem durch Arbeit und allgemeinen Drill konditioniert werden, das
Knastgeschäft wirft auch reichlich Gewinne ab. Viele Privatunternehmen, die mit
den Knästen in festen Verträgen stehen, verdienen an den Gefangenen: überteuerte
Lebensmittel und Hygieneartikel in den Knastkiosken, Sicherheitstechnik usw.
Auch die von den Häftlingen im Knast produzierten Produkte rücken hierzulande
immer mehr in den Fokus der Unternehmen. Während in Deutschland die meisten
Knäste nur teilprivatisiert sind, ist das Gefängnissystem beispielsweise in den
USA und Großbritannien vollkommen in der Hand privater Unternehmen. Zwei Prozent
des amerikanischen Bruttosozialproduktes wird in den Knästen erarbeitet. Firmen
wie IBM, Motorola, Compaq-Computertechnik, Microsoft oder Nike verdienen an den
2,5 Millionen Gefangenen in den USA, die meist wegen Bagatelldelikten einsitzen.
Teilweise müssen sie dafür Haftstrafen von 15 bis zu 25 Jahren verbüßen.
Häftlinge sind für den Arbeitsmark somit kein Verlust an Arbeitskraft. „Draußen“
könnten sie schließlich sogar erwerbslos werden und würden Sozialleistungen
kosten. „Drinnen“ sind sie billige, unterbezahlte Arbeitskräfte.
Der
Staat suggeriert seinen Bürgern Fürsorge als seine ureigenste staatliche
Aufgabe. Zu der zählt er das Wegsperren von „Kriminellen“ und politischen
„Terroristen“ zählt, die durch ihre Existenz angeblich die Gesellschaft
bedrohen. „Sicherheit“ ist in hier lediglich ein subjektives Gefühl, das
vermittelt wird. Real existieren tut sie nicht. Letztlich geht es dem Staat,
wenn er von „Sicherheit“ spricht, nicht allein um irgendeine Sicherheit der
Bürger, sondern um die Sicherung der bestehenden Verhältnisse. Diese Logik
durchzieht alle Bereiche der Gesellschaft bis hin zum Knastsystem. Die generelle
Unterordnung der Menschen unter Profitinteressen offenbart die Unmenschlichkeit
des Staates, er delegitimiert sich selbst und wird somit überflüssig.
Die Chance, durch gerichtliche Anstrengungen beispielsweise eine
Hafterleichterung zu erringen, ist wesentlich geringer, da Verantwortlichkeiten
für die Gefangenen bei Haftantritt vom Gericht an die Gefängnisse abgegeben
wird. Diese wiederum sind durch Privatisierung der staatlichen Kontrolle
weitestgehend entzogen. Forderungen z.B. nach Verbesserung von Haftsituationen
können selbst nach erfolgreichem Druck auf die Justiz nicht komplett von dieser
durchgesetzt werden, da die Entscheidungen des Gerichtes dort nicht greifen, wo
es keine staatliche Einflusssphäre gibt. Gefangene werden somit gewissermaßen zu
rechtlosen Leibeigenen der privaten Haftanstalten. Der Bau der
vollprivatisierten Käste in Großbeeren und der im Mai eröffnende Privatknast in
Burg (Sachsen Anhalt) lassen ahnen, was uns in Zukunft noch erwartet.
Infokasten: Knastprivatisierung:
Beispiel 1: Serco
GmbH Die Serco GmbH ist involviert in der JVA Hünfeld (Hessen). Die Serco
GmbH ist eine Tochtergesellschaft des weltweit agierenden britischen Konzerns
Serco Group plc. Das börsennotierte Unternehmen wurde 1929 gegründet.
Hauptgeschäftsfeld ist die Übernahme von öffentlichen Dienstleistungen. Dies
erfolgt im Rahmen Öffentlich-Privater-Partnerschaften mit Behörden aus den
Bereichen Justiz und Sicherheit, Schulen und Hochschulen, Gesundheit,
Verkehr, Verteidigung, Luft- und Raumfahrt. Im Bereich der Bundeswehr machte
sich das Unternehmen in den letzten Jahren einen Namen als Auftragnehmer
für den Betrieb des Gefechtsübungszentrums des Heeres in der Altmark. Die Firma
ist Auftragnehmer des Bundesverteidigungsministeriums und der NATO und seit
ihrer Gründung im Jahr 1961 Partner des heutigen Waffensystemkommandos der
Luftwaffe für die Luftraumüberwachungssysteme. Der Konzern ist in 36 Ländern mit
46.000 Mitarbeitern tätig. In Großbritannien betreibt die Serco fünf
Justizvollzugsanstalten sowie Jugend- und Abschiebehaftanstalten. Bei Umsatz,
Ergebnis und Mitarbeiterzahl verzeichnet Serco jährliche Zuwachsraten von
durchschnittlich über 20%. Die deutsche Serco GmbH hat ihren Sitz in Bonn. Das
Unternehmen beschäftigt mehr als 1100 Mitarbeiter an 35 Standorten.
Beispiel 2: KÖTTER Dienstleistungen GmBH & Co. KG Schon Anfang des Jahres
wurden Verträge mit privaten Unternehmen unterzeichnet, welche neue Anstalten in
Baden-Württemberg bzw. Sachsen-Anhalt errichten bzw. mit-betreiben sollen. In
Sachsen-Anhalt ist im Januar 2008 ein Vertrag über die Errichtung und den
Betrieb einer neuen Anstalt (JVA Burg) unterzeichnet worden. Auf der Web Page
des Betreibers, der KÖTTER Dienstleistungen GmBH & Co. KG, heißt es dazu:
"Erstmals werden in Deutschland bei der Realisierung einer JVA über eine
langjährige Vertragslaufzeit der Großteil der nichthoheitlichen Dienstleistungen
sowie Bewirtschaftungsaufgaben komplett an einen Privaten übergeben – von der
Planung über den Bau und die Finanzierung bis zum Teilbetrieb". Der
Gebäudekomplex für 650 Haftplätze soll im zweiten Quartal 2009 in Betrieb gehen.
Gemeinsam mit einem Partner übernimmt KÖTTER Justizdienstleistungen im Rahmen
des privatwirtschaftlichen Betreibermodells die Gesamtrealisierung der JVA Burg
– von der Planung über den Bau und die Finanzierung bis hin zum Teilbetrieb.
In Baden-Württemberg soll anstelle des alten Gefängnisses in Offenburg durch
private Investoren eine neue Anstalt errichtet werden. Für die
"Justizdienstleistungen" wurde auch hier, nach Mitteilung des Justizministeriums
von Baden-Württemberg, ein Vertrag mit der KÖTTER Dienstleistungen GmBH & Co. KG
geschlossen. Justizminister Goll "rechnet durch den privaten Teilbetrieb mit
einer Ersparnis für das Land von insgesamt knapp 1 Million Euro während der
vertraglichen Laufzeit von fünf Jahren. Das Essener Unternehmen hatte Ende
Dezember 2007 nach europaweiter Ausschreibung das wirtschaftlichste Angebot
vorgelegt und den Zuschlag für den teilprivatisierten Betrieb erhalten".
Quelle: Ungekürzte und unveränderte Version des Textes unter:
strafvollzugsarchiv.de
Der Staat schützt seine
Leute
Schon jetzt erleben Angeklagte, z.B. linke Aktivist_innen,
eine weitgehende Rechtlosigkeit. Die Prozesse gegen die Antifaschist_innen
Christian und Andrea haben vor Augen geführt, wie der Staat versucht, für sich
und seine Organe größtmögliche Straffreiheit zu erreichen und linke
Aktivist_innen als „Störfaktoren“ unter Außerkraftsetzung
bürgerlich-demokratischer Rechte möglichst hart abzustrafen.
In den
Prozessen der beiden Antifaschist_innen traten Polizisten wie auch
Knastpsychologen vermummt auf, lediglich durch eine Codenummer erkennbar.
Letztere sorgten durch ihr Gutachten für Christans weiteren Verbleib hinter
Gittern. Das psychische Gutachten, welches sich gegen Christians vorzeitige
Entlassung ausspricht, liest sich wie folgt: „Die Tatmotivation liegt
offensichtlich in der tiefen politischen Überzeugung des Herrn S., der sich als
Antifaschist bezeichnet und jegliche Form der Gewaltverherrlichung und
Gewaltherrschaft ablehnt.“ Weiterhin wird ihm „Wut, Verachtung und Hass“
gegenüber faschistischen Organisationen diagnostiziert. Politische Überzeugungen
werden somit als psychische Krankheit stigmatisiert, um längere Haftzeiten zu
erwirken. Die Gutachten der Knastpsychologen sind vor Gericht als Prozessmittel
zugelassen, können aber nicht gerichtlich entkräftet werden, da es sich um ein
„wissenschaftlich erstelltes ärztliches Attest“ handele. Auf Grund der
Vermummung von Zivilpolizisten und Knastärzten können Falschaussagen nicht mehr
überprüft werden. Dabei sind diese gerade entscheidend für den weiteren Verbleib
der Gefangenen. Christian hätte schon längst entlassen werden müssen. Wenn
Häftlinge wie er zu lange inhaftiert sind, sieht der Gesetzgeber die 2/3-Lösung
als Regelfall vor, die Restzeit auf Bewährung auszusetzen. Im Bundesvergleich
landet Berlin auf dem letzten Platz in der Anwendung dieses Regelfalls, sogar
hinter Bayern - und das, obwohl hier die ständige Überbelegung der Knäste
beklagt wird. Die Knastindustrie jedenfalls wird sich in Zukunft über
Verschleppung der 2/3-Lösung und Langzeitverurteilungen geschaffenen
Dauerarbeitskräfte freuen.
Info-Kasten: Straffreiheit
für LKA-Beamte
Bei der Arbeit der PMS (Politisch motivierte
Straßengewalt) stellt sich immer wieder heraus, dass ihre Mitarbeiter vor allem
Nazis schützen. Die genaue Zuordnung einzelner Beamter und Aufgaben wird
verschleiert, in anderen Quellen wird die Operativgruppe der PMS als LKA 6317
bezeichnet, die aus 60-80 Personen bestehen soll. Jedenfalls ist sie eng mit dem
Mobilen Einsatzkommando verzahnt. Dieses nennt sich LKA 63 MEK (Aufklärung/
Operative Dienste). Wer sie schon einmal auf Kanal 232/0, UKW 172,78, Rufname:
„Otter“ gehört hat, kennt ihre Gesinnung. Zielpersonen werden als Kanake oder
Bimbo bezeichnet.
Beispiel 1: PMS-Einsatz am 1. Mai 2000: PHM Mario
Hoffmann vom LKA 6317 war angeblich als einziger Beamter in einer gewaltbereiten
Menschenmenge Adalbert-/ Ecke Naunynstraße, als er gegen 21 Uhr einen
Steinewerfer feststellte. Er musste sich jedoch zunächst zurückziehen. Um 23 Uhr
glaubte er den Steinwerfer am Görlitzer Bahnhof wiederzuerkennen. Zusammen mit
seinen Kollegen POM Wolfgang Schmidt, KOK Andreas Schlag und Sascha Bank zog er
den Beschuldigten in ihren zivilen Transporter. Kurz darauf wurde der
Festgenommene bewusstlos und mit Knochenbrüchen in ein Krankenhaus eingeliefert.
Der nachfolgende Prozess zog sich durch zwei Instanzen und über fünf Jahre hin,
wobei herauskam, dass zu der angegebenen Uhrzeit am angeblichen Tatort gar keine
Ausschreitungen waren und PHM Mario Hoffmann aufgrund eines posttraumatischen
Stresssyndroms gar nicht in der Lage war, als Zeuge vor Gericht auszusagen. Nur
mit großer Mühe gelang es der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen die
Beamten niederzuschlagen.
Beispiel 2: Am 26.10.05 gab es das nächste
PR- Desaster. Bei einer Demonstration gegen einen Aufmarsch der Bundeswehr
rastete Rouven K. aus. Der zu einer operativen Gruppe des LKA 63 gehörende Agent
schlug plötzlich und ohne Anlass in einer Demonstrantenmenge mit dem Tonfa um
sich. Der so als „Prügelzivi“ oder „Kommissar Koks“ berühmt gewordene brach
zahlreichen Menschen die Knochen und wurde dafür weder bestraft noch
suspendiert. Denn Rouven K. durfte unter anderen am 11. Februar 2006 in Dresden
und am 15.12.2007 in Hamburg wieder mit dem Schlagstock auf Demonstrant_innen
losgehen. Seine Anonymisierung durch eine Codiernummer scheiterte jedoch, weil
er schon bekannt war. Deutlicher als die Reaktion auf diesen Gewaltakt kann die
Zweischneidigkeit des staatlichen Gewaltmonopols kaum sein.
Quelle:
Ungekürzte und unveränderte Version des Textes unter: www.freeandrea.de.vu
Revolte als Antwort!
Gewaltexzesse oder
Rechtsbrüche durch Berliner Polizeibeamte ziehen selten Folgen nach sich und
führen höchstens zur Versetzung in eine andere Abteilung. Während
Gefängnisstrafe bei gewöhnlichen „Rechtsbrüchigen“ die Regel ist, so stellt sie
bei Polizeibeamten eine Ausnahme dar. Die Verhaftung des Polizeibeamten, der den
Neuköllner Jugendlichen Dennis J. Ende letzten Jahres erschoss, bildet einen
solchen Sonderfall und verdeutlicht zugleich, dass es erst eines Mordes bedarf,
damit auf polizeiinterner Ebene Schlüsse gezogen werden. Im Fall eines Mordes
werden die verantwortlichen Polizisten öffentlich abgestraft um unter Beweiß zu
stellen, das die uns Versprochene Gerechtigkeit doch funktioniert. Die Reguläre
Gewalt, die u.a. durch Polizeibeamte ausgeht wird so gut wie nie thematisiert
und wenn bedarf dies einiger Anstrengung. Es geht letzten Endes nicht um „gute
Bullen“ und „böse Bullen“, sondern um die allgemeine Gewalt die hinter ihnen
steht und die sie repräsentieren.
Der 26jährige Dennis J. wurde in der
Silvesternacht von Berliner Polizisten im Brandenburgischen Schönfließ
niedergeschossen. Gegen ihn lief ein Haftbefehl wegen diverser Verkehrsdelikten,
wofür er 13 Monate in den Knast sollte. Die Fahndungsaktion endete tödlich für
Dennis J. Der Beamte Reinhard R., der die Schüsse abfeuerte, hatte
Presseinformationen zufolge ein ganzes Magazin aus 50 Zentimeter Entfernung in
den Oberkörper von Dennis J. gefeuert, was einer Hinrichtung gleicht. Die
Antwort auf den Mord war eine Spontandemonstration in Kreuzberg, bei der
Luxusautos und eine Sparkasse zerstört wurden, sowie vereinzelte Aktionen und
ein kleiner Gedenkmarsch von Freunden und Angehörigen. Trotzdem war die Reaktion
auf den Mord insgesamt weitgehend verhalten. Nur einen Tag nach dem Mord an
Dennis, am 01.01.2009, tötete der Bahnpolizist Johannes Mehserle im
kalifornischen Oakland an einer U-Bahn-Haltestelle unter den Augen vieler
Fahrgäste einen Jugendlichen. Medienberichten zufolge habe der Polizist seine
Schusswaffe mit seinem Elektroschocker verwechselt, als er den am Boden
liegenden und gefesselten Oskar Grant erschoß. Später sagte ein Freund der
Familie des Ermordeten, dass afroamerikanische Eltern gerade auf ihre Söhne im
Alter von 17 bis 25 aufpassen müssen: „Entweder stecken sie sie wegen
irgendetwas für lange Jahre ins Gefängnis oder sie bringen sie um.“ In Folge des
Mordes kam es zu Demonstrationen und tagelangen Straßenschlachten mit der
Polizei. Ähnliche Folgen in wesentlich größerem Ausmaß hat der Polizeimord an
dem 15jährigen Jugendlichen Alexis Grigoropoulos in Athen am 6. Dezember letzten
Jahres ausgelöst. Der Polizist Epaminondas Korkoneas schoß auf Alexis, nach dem
dieser mit Freunden eine Polizeistreife beleidigt hatte. Tagelang lieferten sich
wütende Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei, es gab Demonstrationen
mit mehren tausend Teilnehmer_innen, es wurden Unis besetzt und
Verwaltungsgebäude besetzt. Das alles war mitnichten bloß die Reaktion auf die
Schüsse, die einen der „unsrigen“ getroffen haben. Es war die Reaktion einer
ganzen Generation, die ihrer Wut über die derzeitige massive Benachteiligung
durch den griechischen Staat Luft machte. Hervorgegangen ist eine beachtliche
Selbstorganisationen der Gruppen und Einzelpersonen. Die Tat ist nicht vergessen
und die Wut hält noch immer an…
Widerstandskultur
Während in Griechenland die Ermordung von Alexis Tausende auf die Straße
trieb, sorgten die Schüsse auf Dennis nicht annähernd für eine solche Reaktion.
Wir können von der Revolte in Griechenland lernen. Ein Polizeimord, wie er an
Alexis geschah, betrifft in Griechenland die Mehrheit der sich als „links“ *
verstehenden Menschen, obwohl Alexis kein ausgewiesener Polit-Aktivist war. Dort
liegt ein Verständnis zugrunde, dass ein Bullenangriff alle etwas angeht,
ungeachtet des sozialen Hintergrundes des_der Betroffenen. Um in Deutschland
eine aussagekräftige Reaktion auf einen Mord zu erzielen, muss dieser entweder
explizit rechtsmotiviert sein oder es muss sich um einen Repressionsschlag gegen
Menschen handeln, die explizit der linken Bewegung angehören. Der gut
aufgerüstete Polizeiapparat verursacht in Deutschland die entsprechende
defensive Haltung der Linken gegenüber der Staatsmacht. Wie die deutsche
Einsatzhundertschaften agieren, bekommen mittlerweile auch griechische
Anarchist_innen mit, da die griechischen Einheiten im Bereich „Aufstandsbekämpfung“
in engem Austausch mit ihren deutschen Kollegen stehen.
In Deutschland
stehen bei Aktionen zumeist Jugendliche auf der Straße. Ein Rückhalt durch
Strukturen Älterer existiert hierzulande nicht in dem Maße wie in anderen
Ländern, was maßgeblich an der kompletten Zerschlagung der Linken während des
Nationalsozialismus liegen mag. Viele Menschen aus der Nachkriegs-Altlinken
haben sich mittlerweile ins Privatleben zurückgezogen bzw. fahren S-Klasse und
überholen rechts ohne zu blinken. Wer immer noch dabei ist, gilt bei
„Nichtpolitischen“ in seinem Alter vielleicht als verbohrter Linker und auf
einer Party mit geringerem Altersdurchschnitt als Zivi-Bulle. Auch ein
gemeinsamer Erfahrungsaustausch findet kaum noch statt. Viele der Neuen in der
Szene müssen ihre Erfahrungen allein machen, was nicht selten Repression zur
Folge hat und später zum Aufhören führt. Das ist verständlich, denn niemand will
irgendwo dabei sein, wo mensch nicht Hilfe angeboten bekommt und aufgefangen
wird. Die Fähigkeit, die Gründe für unsere eigenen Schwächen benennen zu können,
darf allerdings nicht als Ausrede für die eigene Handlungsunfähigkeit,
herhalten, sondern sollte uns Anstoß geben diese gemeinsam zu überwinden.
Anti-Repressionsarbeit lässt sich nicht allein über Veranstaltungen und
Info-Hefte abwickeln, sondern verlangt eine alltägliche Verantwortung aller.
Beides, das Lernen aus der eigenen linken Geschichte wie auch der Austausch über
praktische Erfahrungen setzt den eigenen Wissensdurst voraus. Einblicke in
Zusammenhänge erschließen sich nicht allein über das Lesen von Indymedia-Artikeln,
Youtube-Voyeurismus oder die monatliche Antifa-Shopping-Tour in Kreuzberg,
sondern über das gewollte Gespräch mit anderen. Wir haben eine eigene linke
Geschichte, wir müssen sie nur kennen und aus ihr lernen.
Die
Schüsse galten uns allen.
Wir müssen beginnen, uns selbst
ernsthafter als Teil eines Kampfes gegen den globalen Kapitalismus begreifen.
Die immer wieder sichtbaren Erfolge in und außerhalb Deutschlands zeigen nicht
nur die Möglichkeiten, auch gegen einen starken Repressionsapparat anzukämpfen,
sondern sie bieten vor allem Gelegenheit, aus ihnen zu lernen. Das ist mitunter
ein schwieriges Unterfangen, da in der radikalen Linken der Schuld zuweisende
Fingerzeig auf die „anderen“ in der Szene ein solches Verständnis meist schon
von vornherein ausbremst. So lässt sich auch die revolutionsromantische
Idealisierung der Jugendaufstände in Frankreich, Italien oder Griechenland
erklären. Wo die eigene Befreiung oder der eigene Aufstand unmöglich scheint,
wird sich in die Ferne geträumt. Wir denken daher, dass es wichtig ist, sich
nicht nur als Unterstützer_in solcher Revolten zu verstehen, sondern als Teil
dieser und sie nicht nur in Form von Antifa-Marketing zu simulieren. Gemeinsam
randaliert es sich nun mal besser! Wenn das nächste Mal ein Bulle jemanden
abknallt, muss die Antwort auch dementsprechend sein. Der spontane Wutausbruch
spontane erzeugt oft mehr Öffentlichkeit als eine über mehrere Monate
vorbereitete Demonstration und schafft die Intervention in aktuelle Themen.
Ein Appellieren an die revolutionäre Moral allein wird ohne Organisation und
funktionierendes soziales Miteinander nichts rein nichts bringen. Es muss
klar sein, dass uns ein Mord wie an Dennis alle angeht. Genauso muss dies auf
die Auseinandersetzung mit dem Thema Knast übertragen werden. Wir müssen mit der
Vorstellung brechen, Knast ginge uns nichts an, weil wir vielleicht denken
„nichts Kriminelles“ getan zu haben oder weil wir uns bisher nicht haben
erwischen lassen. Knast kann jede_n treffen, jede_r kann drin landen, da die
Gründe in Zukunft noch lapidarer werden. Für eine linke Praxis ist es darum
wichtig, auch Bezug auf die zu nehmen, die nicht eingefahren sind, weil sie sich
z.B. aus ökonomischen Gründen ihren Lebensunterhalt ergaunern mussten. Knast an
sich muss als politisches Feld wieder erschlossen werden unter anderem weil er
Gesellschaftlich eine immer größere Rolle einnimmt. So fand im August 2008
in Deutschland ein bundesweiter Hungerstreik von insgesamt 478 Inhaftierten in
29 Haftanstalten aus Solidarität mit der in der JVA Köln sexuell misshandelten
und psychisch terrorisierten Nadine T. statt. Dies gibt Hoffnung auf eine
Organisierung in den Knästen und macht deutlich, dass die „nicht linken“ Leute
in den Knästen durchaus ein politisches Bewusstsein haben. In Griechenland
bemühen sich Anarchist_innen um eine Politisierung der Gefangenen, was den
massenhaften Knastaufstände im Jahr 2007 zuträglich war. Generell herrscht hier
eine Entschlossenheit im Kampf um die Gefangenen, die wir uns zu Herzen nehmen
sollten. Nachdem über drei Monate in den Straßen randaliert wurde, zwangen die
immensen Sachschäden den Staat zur Freilassung der politischen Gefangenen. Der
Stand einer politischen Bewegung misst sich auch daran, wie sie mit ihren
politischen Gefangenen umgeht. Die Gefangenen brauchen Kontakt nach draußen u.a.
durch Briefe in den Knast. Diesbezüglich sind die meisten von uns sehr
nachlässig.
Im Kampf ums Leben da gibt’s nur eins… …Ein
Leben im Kampf oder keins!
Für uns ist die Vorstellung einer
freien Gesellschaft etwas, das wir noch nicht ad acta gelegt haben, auch wenn
die Realität uns die Unmöglichkeit deren Verwirklichung immer wieder vor Augen
führt. Fangen wir also mit kleinen Schritten an und unterstützen, was dem
Fortschritt der Menschheit dienlich ist. Wir erklären uns darum solidarisch mit
den angeklagten Berliner Antimilitaristen, mit Christian, Andrea und allen
anderen linken politischen Gefangenen. Die Sabotage von Kriegsmaterial ist ein
Schritt zur Erzwingung der Abrüstung, in jedem Fall schafft sie eine
Öffentlichkeit, die für Bewegung im veralteten, maroden System nötig ist. Was in
Deutschland brennt, kann in Afghanistan keinen Schaden anrichten. Proben wir
also auch den gemeinsamen Knastaufstand im kapitalistischen Gefängniskomplex!
Kämpfen wir zusammen mit den Leuten aus den Kiezen für eine Selbstorganisierung
an der Basis, gegen Zumutungen wie Mieterhöhungen, Stadtumstrukturierung,
Lohndumping und alles, was einem das Leben sonst noch zur Hölle macht!
North East Antifascists (März 2009)
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