[Aktuelles]

[Lokales]

[Specials]

[Info-Café]

[Termine]

[Links]

[Kontakt]

 
[Aufruf] [Termine] [Material]



Das Unfassbare ins Licht rücken!
Gegen das Vergessen!

9. November 2007: 69. Jahrestag der „Novemberpogrome“
Aktionstage im Berliner Nord-Osten zur Erinnerung und Mahnung

Vor 69 Jahren, am 9. November 1938 kam es in der Nacht auf den  10. November zu Pogromen unvorstellbaren Ausmaßes gegen die in Deutschland lebende  jüdische Bevölkerung. Jüdische Geschäfte, Friedhöfe, Synagogen und Kulturzentren wurden in zahlreichen Übergriffen von Faschisten geschändet und zerstört. Mehr als 400 Jüdinnen und Juden fielen dem brutalen Höhepunkt des gesamtgesellschaftlichem Antisemitismus zum Opfer.

Antisemitismus - eine „Eigenart“ der Nazis?

In den Jahren seit der Machtübergabe an die Faschisten im Januar 1933 wurde nun- staatlich gefördert und legitimiert- die Diskriminierung der jüdisch gläubigen Bevölkerung verstärkt und intensiviert. So wurden Gesetzesnovellen verfasst und verabschiedet, welche deren Grundrechte beschnitt und sie kontinuierlich von der Gesellschaft isolierte.
Der in den Novemberpogromen, euphemistisch als „Reichskristallnacht“ bezeichnet, artikulierte Antisemitismus reiht sich in eine Linie grauenvoller Pogrome vom Römischen Reich über das Mittelalter in Europa und der Verfolgung im faschistischen Deutschland bis hin zu den „neu entdeckten“ antijüdischen „antikapitalistischen“ Parolen der Neonazis und weiter Teile der Bevölkerung. Noch immer können die Phrasen und Stereotypen des kirchlich-gestütztem Antijudaismus (Die Juden als „Christusmörder“) und modernem Antisemitismus (Der Mythos des „Geldjuden“ und die Verschwörungstheorien der „weltbeherrschenden“ jüdischen Menschen) in großen Bevölkerungsteilen als massenkompatibel benannt werden.

Pankow, Prenzlauer Berg und Weißensee oder die Verfolgung im Berliner Nord-Osten.

Im Prenzlauer Berg existierte mit einem Bevölkerungsanteil von 5,8 % die drittgrößte jüdische Gemeinde in Berlin. Am 9. November kam in dem als „roten Arbeiterbezirk“ betitelten Stadtteil zu schrecklichen Ereignissen: Die Synagoge in der Schönhauser Allee wurde von hunderten „Volksgenossen“ angegriffen und niedergebrannt. Auch die Synagoge in der Rykestraße wurde attackiert und geschändet. Jüdische Geschäfte wurden verwüstet, wie z.B. der Eierladen des als „Eier-Juden“ bekannten Hr. Seliger in der Schönhauser Allee. Zusammen mit seiner Frau wurde er wie viele hundert andere Personen nach den Pogromen von der Gestapo verhaftet und deportiert.
In Weißensee gab es 1933 weit weniger Menschen jüdischen Glaubens, so betrug der prozentuale Anteil gerade mal 1,65 % und 1939 nur noch 0,65 %. Während der Novemberpogrome wurden auch in Weißensee jüdische Geschäfte beschmiert, beschädigt und geplündert. Als Beispiel sei hier das Warenhaus A. Brünn jun. in der Berliner Allee 62 - 66 (früher 29 - 31) erwähnt. In der Nacht wurde das Geschäft entglast und der Besitzer Herr Brünn, nur einen Tag später verhaftet und nach Sachsenhausen deportiert.
Ebenfalls in Pankow gab es nicht viele Juden, auch hier lag der prozentuale Anteil lediglich bei 1,5 %. Während der Pogrome versuchte eine große Gruppe von SS und SA das jüdische Waisenhaus anzugreifen, nur ein couragierter Lehrer mit einem kleinen Kind auf dem Arm konnte den Mob davon abhalten.

Antisemitismus: Immer noch ein Thema (nicht nur) im Großbezirk.

So wurde in der Nacht vom 03.10. zum 04.10.1999 der jüdische Friedhof in Weißensee, welcher als größter in ganz Europa gilt, geschändet. Dabei wurden die Gräber der Menschen geschändet, welche zu Zeiten Nazideutschlands dort begraben wurden. Ein ähnlicher Skandal ereignete sich nur sechs Jahre später. Im Juni 2005 wurden auf dem Friedhof vier Grabsäulen, ein Grabstein und drei Grabtafeln umgestoßen.
Auch im  Prenzlauer Berg wurden Gebäude und Tafeln mit antisemitischen Parolen beschmiert. Erst im September und Oktober 2006 wurde das Lapidarium des Jüdischen Friedhofs mit antijüdischen Sprüchen besprüht. Nur einen Monat später wurde am Senefelder Platz eine Gedenktafel mit Hakenkreuzen und „SS“-Runen bemalt. Erst November 2005 zogen mehr als 15 Neonazis durch den Osten Prenzlauer Bergs und besprühten Wände mit dem Spruch „Israel du Opfer“, versehen mit einem Hakenkreuz.
In Pankow ist eine leider alljährliche Provokation der lokalen Neonaziszene zu verzeichnen. Kameradschaftler und NPD-Aktivisten unter der Führung Jörg Hähnels provozieren seit mehreren Jahren die Kundgebungsteilnehmer_Innen der Auschwitz- Gedenkveranstaltung am jüdischen Waisenhaus am S-Bahnhof Pankow am 27. Januar jeden Jahres.

Nichts und Niemand ist vergessen!
Im Gedenken an alle Opfer der Novemberpogrome 1938!

North-East Antifascists [NEA] - Oktober 2007



Dies ist lediglich ein kleiner Auszug rassistischer und antisemitischer Propaganda- und Gewalttaten der extremen Rechten im Berliner Nordosten.
Für weitere Informationen bezüglich historischem jüdischen Lebens und antifaschistischen Widerstandes empfehlen wir folgende Literatur:

Sandvoß, Hans-Rainer:
Widerstand in Prenzlauer Berg und Weißensee / Hans-Rainer Sandvoß
Berlin: Gedenkstätte Deutscher Widerstand, 2000

Alle Erinnerung ist Gegenwart : Rundgänge zu Orten jüdischen Lebens in Weißensee und Hohenschönhausen / Bund der Antifaschisten Weißensee/ Hohenschönhausen, Berlin : 1998
Juden in Weißensee / Kulturamt Weißensee
Berlin, Edition Hentrich, 1994

Inge Lammel:
Jüdisches Leben in Pankow. Eine zeitgeschischtliche Dokumentation.
Berlin, 1993
ISBN 3-89468-099-7

Inge Lammel:
Das Jüdische Waisenhaus in Pankow. Seine Geschichte in Bildern und Dokumenten.
Berlin, 2001
ISBN: ISBN 3-98085-771-9



Termine:

Film-Abend: "Aufstand im Warschauer Ghetto"
01.11.2007 | 20:00 Uhr | Bunte Kuh
Bernkasteler Straße 78 (Weißensee)

Wir zeigen den Film "Aufstand im Warschauer Ghetto": Ungefähr 400.000 Juden wurden bis 1943 aus dem Warschauer Ghetto  nach Treblinka und in andere Vernichtungslager deportiert.  Im April 1943 erhoben sich die wenigen noch im Ghetto verbliebenen  Jüdinnen und Juden gegen den faschistischen Terror. Der Film verbindet Zeitzeugengespräche mit einer Dokumentation über die Hintergründe und Vorbereitungen des mutigen und kraftvollen Widerstandes im besetzten Warschau.
Anschließend Soli-Tresen für die NEA mit Musik, kühlen Getränken und leckerer Vokü.
Eintritt frei!

Anfahrt:
Tram: 12, 27: Berliner Allee / Rennbahnstraße | M4: Buschallee
Bus: 156, 255, N50: Berliner Allee / Rennbahnstraße | 155, X54, 259: Rathaus Weißensee

----------------------------------------------------------------------------------

Film-Abend: “"Mir zeynen do”
07.11.2007 | 20:00 Uhr | Bunte Kuh
Bernkasteler Straße 78 (Weißensee)

Wir zeigen den Film "Mir zeynen do- der Ghetto-Aufstand und die Partisan_Innen von Bialystock" Die Stadt Bialystok war vor dem zweiten Weltkrieg mit zirka 120.000 Einwohner_Innen (davon die Hälfte Jüd_Innen) ein bedeutendes wirtschaftliches und kulturelles Zentrum in Ostpolen. Als im August 1943 das Ghetto endgültig liquidiert und die BewohnerInnen in das Vernichtungslager Treblinka transportiert werden sollten, nahmen einige hundert BewohnerInnen den Kampf auf.  Nur wenige überlebten den Aufstand, unter ihnen sechs junge Frauen, die fortan den Widerstand der Stadt  aufrecht erhielten, bis es ihnen gelang, den Kontakt zu ihren KampfgefährtInnen in den Wäldern herzustellen.
Anschließend Antifa-Café mit Musik und kühlen Getränken in entspannter Atmosphäre.
Eintritt frei!

Anfahrt:
Tram: 12, 27: Berliner Allee / Rennbahnstraße | M4: Buschallee
Bus: 156, 255, N50: Berliner Allee / Rennbahnstraße | 155, X54, 259: Rathaus Weißensee

----------------------------------------------------------------------------------

Zeitzeugengespräch mit Paul Ostberg
08.11.2007 | 19:30 Uhr | Heinrich-Böll-Bibliothek
Greifswalder Straße 87 (Prenzlauer Berg)

Paul Ostberg, heute 90 Jahre alt, Sohn jüdischer Berliner, berichtet über sein Leben in der Zeit des Faschismus, von der Internierung in einem Schweizer Lager und den versuchten Kontaktaufnahmen zur Resistance in Frankreich. Dies ist eine Veranstaltung im Rahmen der Erinnerung und Mahnung zum 69. Jahrestag der antisemitischen Novemberpogrome.
Eintritt Frei!

Anfahrt:
S-Bahn: S8, S85, S41, S42: Greifswalder Straße
Tram: M4: S-Bahnhof Greifswalder Straße

----------------------------------------------------------------------------------

Kranzniederlegung
09.11.2007 | 09:00 Uhr | Jüdischer Friedhof Weißensee
Herbert-Baum-Straße 45 (Weißensee)

Am morgen des 9. November wollen wir den Opfern der „Novemberpogrome“ gedenken, indem wir uns an einer Kranzniederlegung am jüdischen Friedhof in Weißensee beteiligen. Bringt Blumen und Kränze mit!

Anfahrt:
Tram: M4, M13, 12: Albertinenstraße
Bus: 158, 255: Albertinenstraße

----------------------------------------------------------------------------------

Gedenk-Kundgebung und Demo in Moabit
09.11.2007 | 17:00 Uhr | Mahnmal Levetzowstraße
Brücke Levetzowstraße (Moabit)

Kundgebung und anschließende Demonstration zum Gedenken an das Novemberpogrom von 1938. 69 Jahre nach der Reichspogromnacht von 1938. 15 Jahre nach der faktischen Abschaffung des Rechts auf Asyl. Kein Vergeben! Kein Vergessen! Auf der Auftaktkundgebung wird der Zeitzeuge und Holocaustüberlebende Adam König sprechen und den Zuhörer_Innen seine Sicht auf die damaligen Ereignisse schildern. Solidarität mit den Opfern des deutschen Antisemitismus und Rassismus! Veranstaltet von der Antifa Initiative Moabit [AIM].

Anfahrt:
U-Bahn: U9: Hansaplatz
Bus: 106: U-Bahnhof Hansaplatz

----------------------------------------------------------------------------------

Gedenk-Kundgebung in Pankow
09.11.2007 | 18:00 Uhr | Jüdisches Waisenhaus Pankow
Berliner Straße 120/121 (Pankow)

Am Abend des 9. November wollen wir uns am Gedenken am ehemaligen jüdischen Waisenhaus in Pankow beteiligen.

Anfahrt:
S-Bahn: S2, S8: Pankow
U-Bahn: U2: Pankow
Tram: M1, 50: S/U-Bahnhof Pankow
Bus: M27, 107, 155, 250, 255, X54: S/U-Bahnhof Pankow

 

 

Material
Aufruf (PDF | 1170 KB)

Banner: 
100 x 100
JPG | 12,0 KB
120 x 60
JPG | 10,4 KB
130 x 140
JPG | 21,5 KB
170 x 240
JPG | 39,3 KB
452 x 60
JPG | 30,6 KB
460 x 128
JPG | 51,3 KB
530 x 60
JPG | 34,6 KB
700 x 96
JPG | 56,5 KB