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"Eine andere Welt ist möglich." 10 Jahre nach Genua
- Bewegung ist ein kollektives Gedächtnis.
Openair-Video-Kino und Erlebnisberichte
Eine
neue Bewegung entsteht… Vom 19. bis 21. Juni 2001 kamen in Genua
rund 200.000 Menschen zusammen, um gegen die Politik der G8-Staaten zu
protestieren - ein Protest, der mehr als symbolisch werden sollte. Bereits im
September des Vorjahres war es gelungen, durch einen breiten Widerstand in den
Straßen von Prag das 55. Jahrestreffes von IWF und Weltbank abzubrechen.
Aufgrund der massiven Proteste mussten die Delegierten mit der U-Bahn evakuiert
werden. Euphorisiert von diesem und anderen Erfolgen der noch jungen,
globalisierungskritischen Bewegung zog es Mitte Juni 2001 ebenfalls Tausende ins
schwedische Göteborg, um gegen das rassistische EU-Grenzregime auf die Straße zu
gehen. Wie schon in Prag entlud sich die Wut auf Krieg, Unterdrückung und
ungleiche Verteilung des Reichtums an den materiellen Gütern und
Prestigeobjekten der Leistungs- und Warengesellschaft. Diese von Tausenden
geübten Akte der Unversöhnlichkeit in den Straßen der kapitalistischen
Metropolen schuf eine Art Selbstbewusstsein in weiten Teilen der globalen
linken Bewegungen, ein Selbstbewusstsein, das sich über die Regeln staatlicher
Ordnung bewusst hinwegsetzte. Weit über 30.000 Menschen aus den verschiedenen
Ländern waren dazu entschlossen die "Rote Zone", der Bannmeile um die
Tagungsstätte der G8, zu überqueren und zu zeigen, dass die Bevölkerung bereit
ist politische Entscheidungen selbst zu treffen und dass sie dafür keine
Vertreter_innen benötigt.
Der Staat drückt den Abzug Doch bereits
während des EU-Gipfels in Göteborg zeigte sich, nachdem drei
Demonstrant_innen angeschossen wurden, dass der Staat derlei Bestrebungen zu
unterbinden wusste und nicht davor zurückschreckte den Abzug zu bedienen. In
Genua geschah letzten Endes das tragische Ereignis, das in den Köpfen vieler
Linker bis heute untrennbar mit Genua verbunden bleibt: Der Tod Carlo Giulianis.
Der Carabinieri Mario Placanica erschoss den damals 23-jährigen Studenten und
linken Aktivisten mit einem Schuss in den Kopf. Damit war das Tabu gebrochen,
dass die Polizei in Europa nicht so offensichtlich Demonstrant_innen tötet wie
auf anderen Kontinenten. Carlos Ermordung, wie auch die Gewalterfahrungen und
Erniedrigungen durch die italienische Polizei in der Diaz-Schule, auf den
Polizeiwachen und in der Bolzaneto-Kaserne stellten tiefgreifende und
schmerzliche Erfahrungen für viele dar,die in diesen Tagen in Genua waren.
Vieles sollte danach nicht mehr so sein wie vorher.
Bewegung als kollektives Gedächtnis Auch
wenn der "Summer of Resistance" untrennbar mit den tödlichen Schüssen auf dem
Piazza Gaetano Alimonda verbunden bleibt, so war er auch eine Zeit des
Aufbruchs,euphorisiert vom Zusammenkommen der verschiedenen Aktivist_innen und
ihrer Kämpfe und inspiriert durch die zapatistische Bewegung, die 1994 „eine
andere Welt ist möglich“ ausrief.
Pink and Silver, Rhythms of Resistance, die Sozialforen, das
Indymedia-Netzwerk, Medienaktivismus und eine stärker gewordene Kritik am
Kapitalismus innerhalb der Gesellschaft haben ihren Ursprung in diesen Jahren.
Vieles von dem, was wir derzeit als Selbstverständlichkeit oder „gewohntes
Hintergrundrauschen" linker Bewegung wahrnehmen, hätte es ohne Prag, Seattle,
Genua oder Porto Alegre in dieser Form vielleicht gar nicht gegeben.
Bewegung bedeutet auch immer die Entstehung und Entwicklung
eines kollektiven Gedächtnisses. Erfahrungen werden geteilt, die gemeinsam
gemacht wurden - und auch wenn nicht jede_r einzelne Teil hatte, so bilden sie
trotzdem kollektive Erinnerung,aus denen sich die Ideen und Strategien in
unseren täglichen Kämpfen speisen. Wir finden es darum wichtig, uns über diese
Erfahrungen auszutauschen.
Am 29. Juli werden Menschen, die 2001 an den Anti-G8-Protesten
teilnahmen, über die Geschehnisse in Genua wie auch über die Bewegung an sich
berichten. Zu Wort kommen Medienaktivist_innen und Menschen, die in Genua direkt
mit Repression konfrontiert waren.
Im Anschluss zeigen wir den Film „OP-Genua 2001“, der anhand
akribischer Recherchen die gezielten und gewalttätigen Provokationen der
Polizeikräfte belegt. Außerdem werden Aktivist_innen vom Besuch des 10 Jahre
Genua-Treffens in Italien berichten.
Filmbeschreibung: „OP Genua 2001 -
öffentliche Sicherheit und Ordnung“
Der G8-Gipfel in Genua im Jahre 2001 machte durch
Ausschreitungen und massive Polizeigewalt von sich reden. Der Gipfel selbst
geriet schnell in Vergessenheit, die juristische Aufarbeitung der Ereignisse
dauert dagegen bis heute an. Im Rahmen der Verteidigung von 25 Aktivist_innen
wurden die Ereignisse des 20. Juli 2001 akribisch rekonstruiert. Anwält_innen
und Mitarbeiter_innen des Rechtshilfebüros in Genua (Segreteria Legale) haben in
mühsamer Recherche u.a. Videoaufnahmen sowie Mitschnitte des Polizeifunks
ausgewertet. Der Film stellt die Dokumentation dieser Aufbereitung dar und
zeigt die Angriffe der Polizeieinheiten auf die Großdemo in Genua am 20. Juli
2001, in deren Folge Carlo Giuliani erschossen wurde. Der Film verdeutlicht das
Ziel der Anwält_innen, nämlich zu beweisen, dass die Demonstrant_innen von ihrem
legitimen Recht auf Notwehr Gebrauch machten.
>>> Aufruf
als PDF (4,95 MB)
Openair-Video-Kino
und Erlebnisberichte:
Freitag | 29.07.2011 | 19:00 Uhr | Bunte Kuh (Bernkasteler
Straße 78, Berlin-Weißensee)
umsonst und draußen
(Bei schlechten Wetter findet die Veranstaltung drinnen
statt)
Anfahrt: Tram: 12,
27: Berliner Allee / Rennbahnstraße M4: Buschallee M13: Berliner Allee /
Indira-Gandhi-Straße
Bus: 156, 255, N50: Berliner Allee /
Rennbahnstraße 155, X54, 259: Rathaus Weißensee
Banner:
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468x60 (JPG | 53,8 KB)
Radio-Interview:
Pi Radio-Beitrag im
Funkhaus Prenzlauer
Berg vom 27.07.2011 (moderiert von
Jenz Steiner):
MP3 (7,80 MB) | Die komplette Sendung:
Hier
Presse / Artikel:
Gipfelproteste in Genua:
Erste soziale Bewegung der Postmoderne (Telepolis |
20.07.2011)
Rückblick auf zehn Jahre Genua (Neues Deutschland |
27.07.2011)
Berliner Aktivisten
zehn Jahre nach dem G8-Gipfel in Genua (Funkhaus Prenzlauer
Berg | 28.07.2011)
Präsentiert von:
Gipfelsoli, North-East Antifascists [NEA],
AK Kraak,
Rebel Disorder - Store,
Antifa Initiative Nord-Ost [AINO],
Berlin Against G8,
Out of Control,
Red & Anarchist Skinheads (RASH) Berlin-Brandenburg,
Ultrash
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