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Niemand ist Vergessen! - Im Gedenken an den von Neonazis 2000 ermordeten Dieter Eich

In der Nacht zum 24. Mai 2000 ermordeten vier jugendliche Neonazis den 60-jährigen Arbeitslosen Dieter Eich in Berlin-Buch. Vor Gericht gaben sie später an, dass sie einen „Assi klatschen“ wollten. Auch in diesem Jahr wollen wir der Ermordung Dieter Eichs gedenken, um die Tat nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die Mörder Dieter Eichs töteten ihn aus einer tief verwurzelten Verachtung gegen Menschen, die aus ihrer Sicht auf Kosten der ehrlich arbeitenden deutschen Bevölkerung leben. Auch in der öffentlichen Debatte über den Umbau des Sozialstaates tauchen immer wieder Ressentiments gegen so genannte "faule Arbeitslose" und "Sozialschmarotzer" auf. Menschen, die nicht "fleißig arbeiten und statt dessen Kosten verursachen", werden als "wirtschaftlich nicht verwertbar" gewertet, als sozial minderwertig abgestuft und für die Gesellschaft als unbrauchbar erklärt. Ein Zeugnis dieses Menschenbildes waren unter anderem die Aussagen von Gottfried Ludewig, dem Vorsitzenden des Berliner RCDS (CDU Hochschulgruppe) aus Prenzlauer Berg.
Im Mai letzten Jahres degradierte er in einem CDU internen Thesenpapier Erwerbslose und Rentner_innen, auf Grund ihrer ökonomischen Unrentabilität, zu Menschen zweiter Klasse. Allein mit "Hartz-IV-Bezieher_innen und Rentner_innenn" könne der soziale Ausgleich in Deutschland nicht funktionieren, weshalb er vorschlug arbeitenden Menschen das Privileg des doppelten Wahlrechts einzuräumen. "Diejenigen, die den deutschen Wohlfahrtsstaat finanzieren und stützen, müssen in diesem Land wieder mehr Einfluss bekommen. Die Lösung könnte ein doppeltes Wahl- und Stimmrecht sein." Der Junge Union-Vorsitzende Philipp Missfelder schlug im Februar diesen Jahres in dieselbe Kerbe. Im Rahmen der Diskussion um die geplante Hartz-IV Kindergelderhöhung am 1. Juli 2009 sprach sich Missfelder gegen die Erhöhung aus und unterstellte Erwerbslosen, sie würden die Erhöhung ausnutzen um sich vom Kindergeld Alkohol und Zigaretten zu kaufen: "Die Erhöhung von Hartz IV war ein Anschub für die Tabak- und Spirituosenindustrie.". Auch Mitglieder der Linkspartei, die sich betont sozial gibt, stehen den christdemokratischen Scharfmacher_innen in nichts nach. So verkündete beispielsweise Klaus Ernst (Die Linke - Schweinfurt)"Wir machen nicht Politik für die, die nicht (arbeiten) wollen".

Wir hingegen treten ein für eine Welt in der Menschen nicht an ihrer Lohnarbeit gemessen werden, sondern daran, was sie als Mensch sind. Eine Aufhebung der jetzigen Zustände ist nicht ohne Abschaffung des Kapitalismus denkbar, da dieser immer wieder Konkurrenz und Leistungsdruck produziert. Unser Gedenken soll darum nicht nur den Vernichtungswahn deutscher Neonazis gegen so genannte Asoziale und dessen historischen NS-Kontext thematisieren, es kritisiert Verhältnisse, die die Ellenbogengesellschaft als einzig mögliche Art des Zusammenlebens postulieren.

Wir laden euch hiermit ein, um mit uns Dieter Eich und allen anderen Opfern rechter Gewalt und sozialer Ausgrenzung zu gedenken. Sagt euren Freund_innen Bescheid und bringt Blumen mit.

Gedenkaktion:
Montag | 25.Mai 2009 | 17 Uhr | S-Bhf. Buch. (Treffpunkt)
Gedenken an der Walter- Friedrich- Straße 52
Anreise: S2