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Niemand ist vergessen!
Schau nicht weg - greif ein!
Gedenkdemonstration für den von Neonazis ermordeten Dieter Eich.

Vor acht Jahren, am 25. Mai 2000, wurde der Sozialhilfeempfänger Dieter Eich von Neonazis in Berlin-Buch ermordet. Diese drangen in die Wohnung des Arbeitslosen ein und schlugen ihn zusammen. Später kehrten sie noch einmal in dessen Wohnung zurück und töteten ihn mit einem gezielten Stich ins Herz, um eine belastende Aussage bei der Polizei zu verhindern. Vor Gericht gaben die Neonazis an, dass sie nur einen "Assi klatschen" wollten. Dass es sich dabei um eine Tat mit rechtem Hintergrund handelte, wurde von Justiz und Polizei verschwiegen und kam erst durch Recherchen von Antifaschist_Innen und Journalist_Innen ans Tageslicht. Selbst die Thematisierung des Mordes in der Presse zu dieser Zeit rief keinen wahrnehmbaren Aufschrei hervor. In Buch lief alles in seinem gewohnten Gang. Linke Antifaschist_Innen waren es, die in den folgenden Jahren durch Aktionen anlässlich des Todestages Dieter Eichs auf die Thematik aufmerksam machten.
Doch auch das scheint heute mehr denn je Geschichte zu sein. Weder in der Bucher Bevölkerung, noch innerhalb der jüngeren antifaschistischen Bewegung ist jemandem der Mord an Dieter Eich bekannt. Wir möchten darum den Mord an Dieter Eich wieder in das Gedächtnis der Menschen rufen und mit verschiedenen Aktionen das Gedenken wach halten. Ein Anfang dafür ist für uns die Gedenkdemonstration am 25. Mai in Berlin Buch.

Uns ist allerdings klar, dass die Schuldfrage an jenem Mord nicht allein mit einem Fingerzeig auf die rechte Szene, gelöst ist. Wirtschaft, Politik und Medien propagieren seit Jahren ein stark negatives Bild von Erwerbslosen. Wer Sozialhilfe bezieht, steht schnell als "arbeitsfauler Sozialschmarotzer" da, was von der Mehrheitsgesellschaft scheinbar dankend angenommen wird. Für die herrschenden Verhältnisse ist dies nur von Vorteil. Denn nur wenn Arbeitslose als minderwertig gelten, können Sozialhilfesätze gekürzt oder eine Überwachung von Hartz4-Bezieher_innen durchgesetzt und verschärft werden.
Doch erwerbslos zu werden ist mittlerweile keine große Kunst mehr. Es kann Jede_n zu jeder Zeit treffen. Jede_r von uns kann zu einem dieser "Sozialschmarotzer" werden. In einer Gesellschaft, in der nur noch die kapitalistische Verwertbarkeit zählt, fallen durch Technisierung und Profitmaximierung immer mehr Menschen durch das soziale Raster. Dabei ist ihr einziges Vergehen, dass sie sich nicht in die Verwertungslogik einfügen können oder wollen. Doch selbst die "Überflüssigen" der Gesellschaft müssen nutzbar gemacht werden, also werden sie in Zwangsmaßnahmen, wie 1-Euro-Jobs, gesteckt. Arbeitsmaßnahmen und das Hängen am Tropf der Sozialhilfe dienen dazu, sie für den Markt als Arbeitsreserve zu erhalten. Allen, die noch in "Lohn und Brot" sind, wird der mögliche soziale Abstieg jederzeit vor Augen geführt.

Hier wird ein psychologischer Druck aufgebaut, der den Menschen schon allein bei dem Gedanken an einen wilden Streik im eigenen Betrieb die Schweißtropfen auf die Stirn treiben soll. Wer seine miese Situation nicht hinnimmt, sich vielleicht noch dagegen organisiert, wird gefeuert, - so die Aussage. die politischen Eliten der Wirtschaft und teilweise sogar der Medienbranche verbreitet wird. Um sich einem eventuellen "sozialen Abstieg" zu entziehen, sollte Mensch möglichst nicht widerständig sein, dafür aber nach "unten" treten und sich gegen Menschen durchsetzen, die quasi in den selben, miesen Verhältnissen leben. Wenn die Frustration über die eigene Situation schon nicht da abgelassen werden kann, wo sie herkommt, dann ist es immer gut, jemanden zu haben, bei dem Mensch den Druck ablassen kann. Migrant_Innen, Erwerbslose, jüdische Menschen oder Punks bieten sich anscheinend geradezu an, bei ihnen die Schuld für gesellschaftliche Missstände zu suchen. Unsere Gesellschaft erzeugt somit ein Klima, welches Leuten, die mal "Assis klatschen" gehen wollen, vermittelt, sie stünden für das Allgemeininteresse ein. Erst wenn soziale Ausgrenzung und nicht mehr die Betroffenen als Problem wahrgenommen wird, wird solchen Taten der Nährboden genommen.

Der Mord an Dieter Eich wurde nie richtig aufgearbeitet. Fragen wir heute einige Menschen in Buch, ob ihnen der Name Dieter Eich etwas sagt, so kriegen wir teilweise die Auskunft, dass ihn niemand kennt oder dass ihn doch Menschen gekannt haben, vom Mord jedoch nichts mitbekommen hatten. Einige wiederum erinnern sich wage an die Geschehnisse im Jahr 2000, haben diese aber weitestgehend ad acta gelegt. Dies wollen wir so nicht stehen lassen. Wir müssen das Gedenken an die Opfer faschistischer Gewalt aufrechterhalten. Wenn wir es nicht tun, überlassen wir die Geschichtsschreibung dem Lauf der Zeit und damit dem Vergessen.
Gerade weil im Nordosten von Berlin, konkret in Gegenden wie Buch, Blankenburg und Karow auch heute noch Neonaziübergriffe und rechte Pöbeleien zur Normalität zählen, finden wir es wichtig hier aktiv zu werden. Mit der Demonstration Ende Mai wollen wir darum auch Menschen vor Ort ansprechen, die selbst keine Lust mehr auf rechte Schläger und Nazipropaganda haben. Kommt darum am 25. Mai nach Buch und lasst uns zusammen auf die Straße gehen gegen Nazi-Terror, gegen Arbeitswahn und soziale Repression. Für ein Leben frei von Leistungsdruck und Konkurrenz. Für die freie Assoziation von freien Individuen!

Demonstration:
25.Mai 2008 / Berlin / 14.00 Uhr / S-Bhf. Buch

nea.antifa.de  ::  www.e-i-p.de.vu

Material:
Aufruf (PDF | 3370,0 KB)

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Gedenkaktion in Berlin-Buch 2007