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Seit nunmehr drei Jahren finden auch in Berlin wieder Gedenk-Aktionen für Dieter Eich statt. Sein Todestag jährt sich am 25. Mai 2010 zum zehnten Mal. Für uns ist dies ein Anlass, verstärkt auf die Umstände der Tat und die gesellschaftlichen Hintergründe hinzuweisen. Eich bezog Sozialhilfe und wohnte damals in einer der Plattenbausiedlungen am Nordost-Berliner Stadtrand. In der Nacht vom 24. auf den 25. Mai 2000 betrank sich eine Gruppe junger Neonazis im selben Mietshaus im Stadtteil Buch, in dem auch Dieter Eich wohnte. Gegenseitig aufgestachelt fassten sie den Entschluss einen „Assi zu klatschen“. Sie drangen in Dieter Eichs Wohnung ein, wo sie ihn vorfanden, brutal zusammenschlugen und anschließend flüchteten. Kurze Zeit später kehrten sie zurück und töteten ihn mit mehreren Messerstichen, damit er keine Aussage bei der Polizei machen konnte. Dieter Eich verblutete in seiner Wohnung. Ideologische Hintergründe Dieter Eich wurde erstochen, weil er in den Augen seiner Mörder ein „Sozialschmarotzer“ war. Die Mörder Eichs stehen damit in direkter Tradition der massenhaften Ermordung von Bettlern, Erwerbslosen und Landstreichern während des NS. So wurden beispielsweise im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ im April und Juni 1938 über 10.000 Personen, als sogenannte „Asoziale“, in die Konzentrationslager verschleppt. Eine Kontinuität, die sich vom Nationalsozialismus bis in die heutige Zeit zieht, lässt sich nicht verleugnen. Die Formel „Wer nicht arbeitet ist nichts wert“ wird so gut wie ausnahmslos von allen Kräften dieser Gesellschaft geteilt. So weit außerhalb des politischen Mainstreams standen Eichs Mörder also nicht. Der feine Unterschied zwischen bravem Bürger, Staat, Wirtschaft und Medien gegenüber den Neonazis ist der, dass es sich in diesen Kreisen nicht geziemt „Faulenzer“ und „Schmarotzer“ einfach abzustechen. Auch, wenn die wenigstens Menschen zufrieden sind mit den Arbeitsverhältnissen, unter denen sie sich verdingen, so sehr sie einen vernünftigen Urlaub einer Überstunden-Schicht vorziehen, so verachten sie trotzdem Menschen, die nicht arbeiten können oder wollen. Als was ist dies anders zu verstehen, als eine, vor Unterwürfigkeit triefende, Danksagung an das tägliche Schuften? Ein Dankeschön also an die elenden Verhältnisse in denen wir leben! Bezüglich des Themas Arbeit igeln sich Gesellschaft und Staat feige in eine Doppelmoral ein, die es sich heraus nimmt, auf nicht arbeitenden Menschen rumzuhacken, sich aber gleichzeitig die Hintertür aufhält, nach einem Mord, wie dem in Berlin-Buch, eine mitleidige Miene aufsetzen zu können. Wenn es nach uns geht, sollten denen, die eben jene Ausgrenzung mittragen und sich dann moralisierend präsentieren, wenn mal wieder ein „Assi“ in den Rinnstein geprügelt wurde, ihre erhobenen Zeigefinger gefälligst abfaulen. Sollen sie an jeder Silbe ihrer Verlogenheit ersticken, die sie von sich geben. Wer die Grundlagen für ein Gesellschaftsklima ermöglicht, in dem der Wert eines Menschen nur an seiner Arbeitskraft gemessen wird, der darf sich nicht erstaunt geben, wenn rechte Schläger sich durch eben jene Gesellschaft in der Richtigkeit ihres Handelns bestätigt fühlen. Und genauso wenig brauchen sich diese Leute darüber wundern, dass sie uns zum Feind haben! Mai 2010 – Schau nicht weg! Greif ein! Zehn Jahre nach dem Mord an Dieter Eich wollen wir mit Veranstaltungen und Aktionen das Gedenken an Dieter Eich weiter aufrechterhalten und dessen gesellschaftlichen Hintergründe klar benennen. Außerdem ist uns daran gelegen, wenigstens punktuell, in Buch und der näheren Umgebung antifaschistische Akzente zu setzen. Die anhaltende Präsenz von rechtem Gedankengut vor Ort unterstreicht nur umso mehr die Notwendigkeit, das Gedenken an die Opfer rechter Gewalt mit dem Tageskämpfen gegen Neonazis zu verbinden. North East Antifa [NEA] |