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Jugendclubs und Sozialeinrichtungen dicht, Mieterhöhung, Kühlschrank leer - Wir lassen uns nicht abziehen!

Prenzlauer Berg, Weißensee und Pankow sind pleite!

Der Großbezirk "Pankow" ist mit 32 Millionen Euro verschuldet, da er in der Vergangenheit "Sozialleistungen für Bedürftige" nicht wie erwartet vom Senat zurückerstattet bekam. Bis 2011 sollen die Schulden getilgt werden. Für das Jahr 2009 verhängte der Senat eine Haushaltssperre für Pankow und forderte eine höhere Effizienz der schon jetzt massiven Einsparungsmaßnahmen. Insgesamt sind im Kinder- und Jugendbereich 47 Einrichtungen betroffen, die täglich von 3000 Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Hinzu kommt eine Vielzahl an Angeboten aus dem Sozial- und Bildungsbereich, die der Sparpolitik zum Opfer fallen würden: Frauenhäuser, Notunterkünfte für Obdachlose, Migrant_innenberatungen, Bibliotheken und Schülerclubs. Dank des Widerstandes vieler Menschen konnte die Schließung der Kinder- und Jugendeinrichtungen verhindert werden, allerdings nur für ein halbes Jahr. Im Mai erfährt die Hinhaltetaktik von Senat und Bezirk eine Neuauflage. Bis Ende 2009 werden wir weitere sechs Monate abgespeist und schon jetzt ist klar, dass uns 2010 massive Streichungen erwarten.

Soziokulturelles Brachland

Die Kürzungswelle betrifft fast alle Angebote und bedeutet einen massiven Verlust an Lebensqualität für viele Menschen im Kiez. Die sozialen Einschnitte im Bezirk werden von einer rasanten Mietpreisentwicklung im Zuge der Gentrifizierung begleitet, was viele Menschen zum Wegzug aus ihrer Nachbarschaft zwingt. So kostet beispielsweise eine Vierzimmerwohnung im Palais Kolle Belle, "Kolle Belle", im Prenzlauer Berg, mal eben 309 000 Euro. Wir haben jedoch das Recht auf ein gutes Leben! Wir wollen uneingeschränkten Zugang zu Bildung, Kultur, Wohnraum usw.!

Allerdings soll unsere Kritik nicht bei hohen Mieten oder Rationalisierung stehen bleiben. Gerade weil im Kapitalismus alles von Rentabilität abhängt, wird es auch immer Ungleichheit geben. Deswegen finden wir es wichtig in die Proteste gegen die Sparmaßnahmen unsere Kritik am Kapitalismus einzubringen. Für den Staat lohnt sich die Finanzierung sozialer Angebote nur insoweit, als dass sie die steigende Frustration in der Bevölkerung abfedert und staatliche Fürsorge suggeriert. Außerdem dient sie im Sinne der Verwertungslogik der Vorbereitung auf den Arbeitsprozess und der Regeneration von Arbeitskraft. Mit den Sparmaßnahmen geht eine immer stärkere Investition ins Knast- und Überwachungssystem einher. 2,6 Millionen für einen Hochsicherheitszaun am Jugendknast Plötzensee, sowie zusätzliche 5 Millionen Euro hat das Land Berlin für den Polizeietat zur Verfügung gestellt. Der Staat begegnet somit den Folgen einer Politik, die er selbst zu verantworten hat, mit entsprechender Machtdemonstration. “Beschaffungskriminalität“ und Schwarzfahren sind aber mehr als nur Folgen, sie gehören zum Kapitalismus wie Pommes zu Ketchup und Majo. Wenn schon von “Kriminalität“ die Rede ist, dann möchten wir den Kapitalismus als eigentliches allumfassendes Verhältnis organisierter Kriminalität benennen. Wir jedenfalls lassen uns nicht abziehen!

Wir stellen uns quer!

Mit vielen anderen veranstalten wir am 29. Mai auf dem Helmholzplatz ein Hiphop-Openair und am 19. Juni eine Kiezparade durch P-Berg, um uns gemeinsam den Kürzungen und der Verdrängung Einkommensschwacher aus dem Viertel entgegenzustellen. Wir wollen die Menschen im Kiez zusammenbringen, die sich damit nicht abfinden und die sich eine lebenswerte Stadt wünschen, in der die eigene Existenz nicht vom Geldbeutel abhängt. Deswegen unterstützen wir den Kampf um die Einrichtungen und gegen die Stadtumstrukturierung vor Ort.

Wir wollen aber mehr! Wir denken, dass ein Leben jenseits von Konkurrenz und Verwertung - ein Leben ohne Kapitalismus - möglich ist. Und da wir ungeduldig sind und vom Staat nichts weiter zu erwarten haben als Zurichtungen, Ausgaben für Aufrüstung, Überwachung und anderen Mist, den wir nicht brauchen, nehmen wir unser Leben selbst in die Hand. Jugendclubs, Altersheime, Hausgemeinschaften usw. gehören in Selbstverwaltung ohne staatliche Bevormundung. Wenn wir aus unseren Treffpunkten geworfen werden, wenn wir aus den Wohnungen fliegen, dann machen wir die Stadt zu unserem Wohnzimmer! Entwickeln wir in Zeiten von Mietsteigerung und Leerstand alternative Raumnutzungskonzepte! Das Colosseum als Umsonstkino, der Polizeiabschnitt an der Eberswalderstraße als Nachbarschaftscafé, der Flughafen Tempelhof als Mehrzweckhalle für Raves und Konzerte. Holen wir uns die Stadt zurück, denn sie gehört uns allen. Kommt am 29. Mai und am 19. Juni nach P-Berg! Lasst uns zeigen, dass wir die Kürzungswelle 2010 nicht akzeptieren werden, sondern uns schon jetzt querstellen!

 

Sparen wir uns den Senat! * Kapitalismus wegkürzen!

 

29. Mai 2009 | Hip-Hop-Openair | 16 Uhr | Helmholtzplatz | P-Berg

Bands:
Damion Davis [SpokenView]
Schlagzeiln [Pgasuz Basement]
Pilskills [Chefhain]
V-Mann aka Hiob [SpokenView]
Jenz Steiner [Der King vom P-Berg]
Zloty Pippen & Derik [Jonni Botten]

 

19. Juni 2009 | Kiezparade | 18 Uhr | Mauerpark | P-Berg

Redebeiträge, Musik, Soundsystems...