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Vom 22. Bis 25. September 2011 wird der ehemalige Hitlerjunge, NS-Flakhelfer und jetziger Papst, Joseph Ratzinger, die Erzbistümer Berlin, Freiburg und das Bistum Erfurt besuchen. Unter seinem Titel Benedikt XVI. ist er als einer der rückschrittlichsten Päpste der jüngsten Geschichte bekannt. Bereits während der Amtszeit seines Vorgängers Johannes Paul II. war Ratzinger die treibende Kraft hinter einer langen Reihe von Äußerungen, in denen Schwule und Homosexualität als "das Böse" bezeichnet wurden. Seine ultrakonservative Auslegung der katholischen Heilslehre führte unter anderem zur Verdammung von Kondomen, die laut Ratzinger unablässig zur Verbreitung von HIV wären, missachtete die Rechte von Frauen und bekräftigte staatlich betriebene Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transgendern. In der Bundesrepublik trieb Ratzinger den Ausstieg aus dem staatlichen System der Schwangerschaftskonfliktberatung voran, da er in ihr eine Form der Mitwirkung an Abtreibungen sah und dies der Haltung Johannes Paul II. widersprach, jegliches menschliche Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tode zu schützen. Als Präfekt der Glaubenskongregation (1), der
Nachfolgeorganisation der Inquisitionsbehörde, kämpfte Ratzinger
unerbittlich gegen innere und äußere Feinde der katholischen Kirche. Er
befürwortet die Arbeit der ultrakonservativen „Legionäre Christi“, die
sich der traditionellen katholischen Jugend- und Familienseelsorge
widmen. Gegründet wurde die Ordensgemeinschaft 1941 von Marcial Maciel,
heute fungiert sie insbesondere in Südamerika als katholisches
Gegenmodell zu den vor Ort erstarkenden fundamentalistischen
evangelikalen Freikirchen. Dem 2008 verstorbenen Gründer Maciel wird
vorgeworfen, sich an Priesteranwärtern sexuell vergangen zu haben. In
der Tradition seines Amtsvorgängers Johannes Paul II. bekämpft Benedikt
XVI. die weltlich orientierte Befreiungstheologie (2). Schon während
seiner Amtsphase als Chef der Glaubenskongregation des Vatikans war
Ratzinger die befreiungstheologische Bewegung suspekt, weil sie sich an
weltlichen Bedürfnissen der Menschen orientierte und eine klare
politische Positionierung auf Seiten der marginalisierten
Gesellschafts-schichten bezog. 1984 mahnte er, die Kirche müsse zunächst
die Botschaft Christi verkünden, dann erst könne sie sich um die
sozialen Belange der Menschen kümmern. EIN REVISIONIST REINSTEN WASSERS Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie besuchte Kurienkardinal Ratzinger 2004 den deutschen Soldatenfriedhof La Cambe. Unter den dort begrabenen deutschen Soldaten befinden sich mehrere hundert Angehörige der berüchtigten Waffen-SS-Division „Das Reich“, unter ihnen SS-Sturm-Bannführer Adolf Diekmann, der im nahe gelegenen Oradoursur-Glane das Massaker an nahezu der gesamten Dorfbevölkerung, darunter 207 Kinder und 254 Frauen, befehligt hatte. In revisionistischer Manier wies Ratzinger in einer Rede den Westalliierten die Kriegsschuld am nationalsozialistischen Vernichtungskrieg zu: „Der Vertrag von Versailles hat ganz bewusst Deutschland demütigen wollen und es mit Lasten beladen, die die Menschen in die Radikalisierung trieben und so der Diktatur die Tür öffneten, ihren betrügerischen Versprechungen auf Wiederherstellung von Freiheit, Ehre und Größe Deutschlands Gehör verschafften“, so Ratzingers O-Ton. Bereits 1980 sorgte Ratzinger mit geschichtsrevisionistischen und antisemitischen Äußerungen für negative Publicity. Als jüdische Organisationen im Vorfeld der Oberammergauer Passionsspiele unter Hinweis auf „Nostra Aetate”(4) auch Änderungen im Text und der Aufführungspraxis der Festspiele forderten, wurden sie von Ratzinger als zuständiger Erzbischof von München und Freising mürrisch-polternd zurechtgewiesen: „Man kann Antisemitismus auch herbeireden; auch das sollte bedacht werden; deshalb möchte ich alle, insbesondere unsere jüdischen Freunde, bitten, mit dem Vorwurf des Antisemitismus aufzuhören“, wetterte er in seiner Predigt zur Eröffnung der Oberammergauer Festspiele am 17. Mai 1980. DIE OFFENE FLANKE INS RADIKAL-RECHTE LAGER Ein weiteres „Highlight“ in Benedikts Pontifikat stellt die umstrittene Rücknahme der Exkommunikation von vier suspendierten Bischöfen der Pius-Bruderschaft dar, darunter der des Antisemiten und Holocaust-Leugners Richard Williamson. Bereits im April 1989 leugnete Williamson bei einer Predigt anlässlich einer Heiligenmesse im kanadischen Sherbrooke die Vergasung von Juden im Vernichtungslager Auschwitz und behauptete, der Holocaust sei eine Erfindung der Juden. „Sie haben vielleicht vom Leuchter-Report gehört? Fred Leuchter war ein Experte für Gaskammern. Er hat drei Gaskammern für drei der fünfzig US-Staaten zur Exekution von Kriminellen entworfen. Er wusste, wie aufwändig das ist, und er hat die angeblichen Gaskammern in Deutschland in den 1980er Jahren untersucht, das was von den angeblichen Gaskammern übrig war - die Krematorien von Birkenau und Auschwitz zum Beispiel - und sein Fazit als Experte war, dass es unmöglich sei, dass diese jemals für die Vergasung einer großen Anzahl von Menschen gedient haben könnten. Dort wurden keine Juden in den Gaskammern getötet! Das waren alles Lügen, Lügen, Lügen! Die Juden erfanden den Holocaust, damit wir demütig auf Knien ihren neuen Staat Israel genehmigen. […] Die Juden erfanden den Holocaust, Protestanten bekommen ihre Befehle vom Teufel, und der Vatikan hat seine Seele an den Liberalismus verkauft.“(5). Erzbischof Marcel Lefebvre, der Gründer der Pius-Bruderschaft, einer Priestervereinigung katholischer Fundamentalisten, fiel durch Predigten auf, in denen er die Militärjunta von Argentinien und die Diktatur in Chile unter Augusto Pinochet als vorbildliche Regierungen bezeichnete. Mitglieder der obskuren Bruderschaft äußerten sich in der Vergangenheit vermehrt antisemitisch, anti-muslimisch und homophob. Die Piusbruderschaft lehnt wie Benedikt XVI. die weltliche Öffnung der katholischen Kirche im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils ab. Lefebvre hatte sich dort der von Johannes XXIII. angestrebten vorsichtigen Anpassung der katholischen Kirche an neu-zeitliche Entwicklungen widersetzt, vor allem der Toleranz gegenüber anderen Glaubens- und Religionsgemeinschaften. Dem Beschluss „über die Religionsfreiheit“, einer Absage an den katholischen Antijudaismus, hatte Marcel Lefebvre seine Zustimmung verweigert. Lefebvre bezeichnete die Beschlüsse als Folge satanischer Einflüsse auf den Klerus. Jene Tatsachen sind Ratzinger gut bekannt, hatte er doch als theologischer Berater des Kölner Erzbischofs Kardinal Frings am 2. Vatikanischen Konzil teilgenommen. Schon Benedikts Vorgänger und Förderer Johannes Paul II. hatte den Begründer und langjährigen Generalpräsidenten der klerikal-faschistischen Priesterbruderschaft Opus Dei, Josemaría Escrivá, seliggesprochen. Escrivá hatte sich bereits in der frühen Franco-Ära mit dem spanischen „Caudillo“ angefreundet. Als Franco Mitte der fünfziger Jahre sein Kabinett umbildete, berief er drei Opus-Dei-Anhänger in Ministerialämter. Als Belohnung für seinen bedingungslosen Kampf gegen den gottlosen Kommunismus wurde Josemaría Escrivá 1992 durch Benedikts Vorgänger und Förderer Papst Johannes Paul II. selig- und am 6. Oktober 2002 schließlich heiliggesprochen. Auch Benedikt verdingte sich 2001 als direkter Unterstützer von Opus Dei. Zur Buchveröffentlichung der Opus-Dei-Geistlichen Klaus Becker und Jürgen Eberle („Die Welt - eine Leidenschaft. Charme und Charisma des Seligen Josemaría Escrivá“) steuerte er einen Gastbeitrag bei. NOT WELCOME! Benedikts Anhänger_innen mobilisieren für den 22. September zu einer Massenandacht ins Berliner Olympiastadion, außerdem stehen ein Besuch bei Bundespräsident Christian Wulff und ein Empfang im Bundestag auf dem Programm. “Berlin freut sich auf Papst Benedikt XVI.“ fabuliert Bürgermeister Klaus Wowereit. Dass dies nicht alle so sehen belegen die zahlreichen Initiativen die sich mittlerweile gegen den Besuch Ratzigners in Stellung bringen und zu einer Großdemonstration am selben Tag aufrufen. Zur öffentlichen Massenandachten werden nach aktuellen Schätzungen rund 50.000 Menschen zusammen kommen, um den Worten des greisen Hasspredigers zu lauschen. Da bleibt dem denkenden Menschen nur ratloses Kopfschütteln über so viel Verblendung, einen „Moralapostel“ zu verehren, der verbal bereits auf so ziemlich alles und jede_n eingeprügelt hat, der_die sich nicht den „Sittlichkeitsvorstellungen“ seines Vereins unterwerfen wollte oder konnte. Die Hauptursache liegt anscheinend im fanatischen Glauben an die Lehren der katholischen Kirche mitsamt ihren unglaublichen Auswüchsen. Warum fallen Menschen scharenweise klerikalen Scharlatanen anheim, lassen soziale Beziehungen flöten und schenken ihnen ihr Geld, ihre kostbare Lebenszeit und vor allem das Wichtigste was sie besitzen - nämlich das eigene Gehirn? VON RELIGION... Claudia Barth erklärt die Popularität des
Übernatürlichen wie folgt: „Trotz aller Aufklärungsversuche über Unsinn,
an höhere Mächte zu glauben, bleibt doch das Grundproblem bestehen: eine
Gesellschaft, die ihr nach einem irrationalen Rationalität
funktionierendes System tagtäglich mit Waffen und Gebeten verteidigt.
Ein entfremdetes Dasein, das an sozialer Kälte und Isolation,
Vermitteltheit, individueller Machtlosigkeit leidet, dem so sehr die
Erklärungsmöglichkeit und de Vorstellung der Überwindung dieser Misere
fehlt, das nach jedem Betäubungsmittel gegriffen wird, um die empfundene
Leere für eine Weile zu kompensieren. […] Doch sind diese Abhilfen nur
Narkose, private Abkapselungsversuche vom gesellschaftlichen Prozess,
die nicht auf Dauer und nicht für alle gelingen können.“(6). ...UND ANDEREN OPIATEN Das aktuelle Hoch religiöser und esoterischer Strömungen hat mit dem erstarkenden Nationalismus, der sich vor allem rund um die Spiele der deutschen Fußball-Nationalelf der Männer zeigt, eine herausstechende Gemeinsamkeit: beides ist freiwillige Selbstbetäubung. Ob der Fußball-Mob mit schwarz-rot-goldener Kriegsbemalung auf den Wangen grölend dem Klang Vuvuzela folgt oder vom Leben enttäuschte Lehrer_innen und Beamt_innen im Glauben vereint umherzappeln, um Lobpreisungen auf den Herrn singen, es geht um die kollektive Ausblendung gesellschaftlicher Widersprüche. Weinend hängen sich Familienväter in
den Armen, die das normalerweise als „schwul“ empfinden würden, und
feiern jeweils Jesus oder Schweinsteiger. So vermögen es Nationalismus
und Religion, über Interessenunterschiede innerhalb des nationalen und
religiösen Kollektivs hinweg Menschen zu vereinen, die auf Grund ihrer
ökonomischen Lage sonst herzlich wenig miteinander zu tun hätten. Dieses
Gemeinschaftsgefühl ermöglicht das gleichgültige Erdulden politischer
Dreistigkeiten: zur Zeit der Fußball-WM 2006 wurden die
Gesundheitsreform, die Unternehmenssteuersenkung und die
Föderalismusreform ohne Widerspruch durchgewunken. Zwischen Lenas
Gesangserfolg und dem Schaulauf der Fußballnationalmannschaft 2010 wurde
über die Laufzeiten von Atomkraftwerken verhandelt und darüber hinaus
das, im September abgesegnete, 80-Milliarden-Euro-Sparpaket vorbereitet.
FÜR EIN LEBEN VOR DEM TOD! Der Rückzug in den beruhigenden Selbstbetrug kann nicht die Reaktion auf das Leben in einem Gesellschaftssystem sein, das auf Ausbeutung und Widersprüche gebaut ist. Anstatt sich in Parallelwelten zu flüchten, gilt es, diesen Verhältnissen entschieden den Kampf anzusagen. Mit der religionskritischen Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Don't believe the hype“ soll darum im Vorfeld des Papstbesuchs die „Waffe der Kritik“ geschliffen werden. „Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muss gestürzt werden durch materielle Gewalt.“(7) Während des Papstbesuches in Deutschland, vom 22. Bis 25. September, gilt es darum, die „Kritik der Waffen“ sprechen zu lassen! Kommt zu den Demos, organisiert Blockaden und dezentrale Aktionen um dem Panzerpapst und seinem Anhang die Parade der öffentlichen Verblendung gehörig zu vermiesen. North-East Antifascists [NEA] | Antifaschistische Linke Berlin [ALB] | Antifaschistische Revolutionäre Aktion Berlin [ARAB] Demonstration gegen den Papst: 01 1542 gegründete Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche zum Schutz der Religionslehre 02 Eine dezidiert gesellschaftskritische Ausrichtung der christlichen Theologie. Sie vereint die Forderung nach einer basisdemokratischen Gesellschaftsordnung mit der Kritik an der politökonomischen Abhängigkeit und Unterdrückung von Entwicklungsländern durch Industriestaaten. 03 Predigt am 18. Mai 2005 in Rom zum Beginn der Papstwahl durch die Kardinäle 04 Erklärung über das Verhältnis der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, welche dem Judentum die Anerkennung als von Gott gestiftete Religion zuspricht. 05 Peter Wensierski, “Wie die Piusbrüder gegen Juden, Muslime und Schwule hetzen”, Spiegel Online, 3. Feb. 2009 06 Claudia Barth, „Über alles in der Welt Esoterik und Leitkultur“, Seite 200, Libri Verlag, 2006 07 Karl Marx, “Zur Kritik der Hegelschen
Rechtsphilosophie”, Dez. 1843 - Jan. 1844 |
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